Start der jungen Generation | Verraten & Verkauft

Die Betriebsübergabe oder der Verkauf des eigenen Weinguts an die junge Generation ist schon immer aktuell, aber gerade brenzliger denn je. Immer mehr Weinaubetriebe geben auf und es gibt weniger, aber immer größere Betriebe. Das ist nicht gerade ermutigend für die junge Generation, die in Hinblick auf den Klimawandel noch zusätzliche Herausforderungen zu meistern hat. Neue Ideen, betriebswirtschaftliches Denken und eine hohe Arbeitsbereitschaft sind gefragt. Trotzdem haben viele junge Menschen Bock darauf.

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2020 circa 15.151 Weinbaubetriebe in Deutschland, allerdings mit sinkender Tendenz. Die Gesamtrebfläche in Deutschland bleibt nahezu gleich, somit werden die Betriebe größer. Im Zehnjahresvergleich von 2010 bis 2020 wurden circa 20 Prozent der Weinbaubetriebe in Deutschland aufgegeben. Gute Weinbaubetriebe übernehmen die Flächen aufgebender Betriebe. Trotz dieser nicht gerade ermunternden Werte gibt es viele junge und motivierte Menschen, die gerne ihr eigenes Weingut gründen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen möchten. Dafür ist allerdings weitaus mehr nötig, als nur hart zu arbeiten.

Die Anzahl der Personen steigt, die als Newcomer in die Branche einsteigen wollen und einen Betrieb übernehmen oder kaufen möchten.

Tanja Schneider

Nicht selten studieren mittlerweile einige junge Menschen, die keinen elterlichen Betrieb im Hintergrund haben. Die Anzahl der Personen steigt, die als Newcomer in die Branche einsteigen wollen und einen Betrieb übernehmen oder kaufen möchten. Heute schauen wir allerdings den Klassiker der familiären Betriebsübergabe an, um zu zeigen, wie ein Start der jungen Generation aussehen kann.

So soll es weitergehen

Sein Lebenswerk zu übergeben, ist für die abgebende Partei sicherlich einer der emotionalsten Momente im Leben. Einerseits die Freude, dass es mit der Tradition weitergeht, der Stolz auf die junge Generation und der Wille, die Jugend bei ihrem Werk zu unterstützen. Und andererseits die Gewissheit, in die zweite Reihe zu treten und die Verantwortung abzugeben. Für manche eine Befreiung, für andere ganz schön schwierig.

Wo Emotionen sind, befinden sich auch Stolpersteine. So gibt es erfolgreiche Übergaben und gescheiterte Übergaben und diese, die im festgefahrenen Prozess durch Moderation und Begleitung in für beide Seiten gute Bahnen gelenkt wurden.

Deshalb ist die Vorbereitung für eine Hofübergabe nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich sollten die folgenden Themen durchdacht, besprochen und bearbeitet werden:

  • Hat sich die Familie mit allen Parteien besprochen und geeinigt?
  • Ist die Alterssicherung gewährleistet und hat die Jugend erfolgversprechende Aussichten?
  • Wo steht der Betrieb heute?
  • Welche personellen Ressourcen stehen weiterhin zur Verfügung?
  • Wie soll der Betrieb künftig ausgerichtet werden?
  • Wann soll die Hofübergabe sein?
  • Wer begleitet die Hofübergabe?
  • Kann der Steuerberater beraten und ist der Anwalt in allen fachlichen Belangen firm? Bleibt die bisherige Bank auch die zukünftige Bank?

Auch oder gerade in familiären Verbindungen sollte der Nachlass geprüft und auch die eigene Intension der Übernahme genau hinterfragt werden: Warum möchte die nächste Generation den Betrieb weiterführen? Ist es aus Verpflichtung oder die tiefe Verbundenheit und der Wille, das Vorhandene zu erhalten und fortzuführen? Und können neue Ideen auch frei umgesetzt werden, gibt es jemand, der in Zukunft das unterstützt?

Ein Erbe kann Freude aber auch eine schwere Last bedeuten.

Tanja Schneider

Ein Erbe kann Freude aber auch eine schwere Last bedeuten und nicht für jeden Erben sind die vorhandenen Schuhe passend. Wenn die Schuhe passen und der Wille und die Rahmenbedingungen da sind, dann können wir über kreative Fortführungskonzepte nachdenken.

Mit neuen Ideen Unternehmenskonzepte entwickeln

Je nachdem, wie der Betrieb bisher aufgestellt war, muss mit der Übergabe auch über Neuerungen nachgedacht werden. Vor allem in der Vermarktung und im Management des Betriebs. Hier ein paar Denkanstöße, um herauszufinden, ob es Neuerungen geben soll oder vieles beim Alten bleibt:

  • Ist der Look & Feel noch zeitgemäß
  • Sind die Preise zukunftsfähig und gewinnbringend?
  • Ist die Vermarktungsstruktur ausreichend, um Jung und Alt zu versorgen?
  • Ist die Geschäftsstruktur in meiner Lebensstruktur darstellbar?
  • Sehe ich mich selbst in dem vorhandenen Konzept?
  • Ist die Kundschaft überaltert oder befinden sich auch junge Kunden in der Käuferschaft?
  • Sind die bisherigen Aktionen noch zeitgemäß oder muss ich neue Verkaufsaktivitäten starten?
  • Wie ist die Bau- und Gerätesubstanz im Unternehmen?
  • Was kann und muss neu investiert werden?
  • Wie ist mein Businessplan, kurz-, mittel- und langfristig?
  • Muss Personal zusätzlich eingestellt werden oder eventuell sogar entlassen?
  • Ist meine IT-Infrastruktur noch aktuell?

Oft kommt mit der neuen Generation die Digitalisierung in Gang, aber auch viele regionale Ideen wie Getränkeautomaten, Tinyhäuser im Weinberg, After Work im Weinberg, Onlinevermarktungen, Social Media und überregionale Netzwerke mit Studienkollegen oder anderen Jungwinzern werden belebt. Der Austausch und die Zusammenarbeit unter Kollegen beflügelt die junge Generation und es werden unter anderem gemeinsam Festivals organisiert und Jungwinzerkooperationen geschlossen und belebt.

Der Klimawandel, die Digitalisierung im Weinbau und in der Vermarktung, nationale und internationale Märkte neu bespielen, mit Wetterextremen leben und umgehen, Pandemien durchstehen… dies sind einige von vielen Zukunftsthemen, die es zu meistern und zu gestalten gilt. Sie haben auch Lust auf einen eigenen Weinbaubetrieb in der nächsten Generation oder in der ersten Generation? Wir freuen uns über deine Zukunftsgeschichte.

Link zum Artikel:

www.verraten-verkauft.de/Verkauft/article-7125718-192840/start-der-jungen-generation-.html

Autorin: Tanja Schneider

Geschäftsführende Gesellschafterin
Die Weinberater GmbH
Lindenstr. 2
55452 Windesheim
Tel.: 06707 6668618
Mobil: 0151 40050880
Mail: t.schneider@die-weinberater.wine

Über die Autorin: Tanja Schneider ist Gründungsmitglied der Unternehmensberatung Die Weinberater GmbH und war über 10 Jahre als Marketingmanager tätig.

Die Weinberater GmbH aus Windesheim ist seit 2017 die Unternehmensberatung für die Weinbranche mit den Schwerpunkten Personalvermittlung, M&A, Investorenbegleitung beim Kauf von Weingütern, Design & Marketing, Vertrieb & Finanzen, Office Management, Interimsmanagement und Handelsberatung. Wir arbeiten für Sie pragmatisch & unabhängig. Gemeinsam erfolgreiche Wege gehen, das ist unser Antrieb für Sie. Wir beraten Sie gerne!

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